2007/07/26

Die Invasion des Feindes


Das Heiligengeistefeld an einem sonnigen Donnerstagabend. Ein paar müde Fahrensleute schrauben in der letzten Abendsonne ein paar Buden für den kommenden Sommerdom zusammen. Vor dem Clubheim des FC St. Pauli lungern ein paar Leute herum, rauchen Zigaretten und unterhalten sich gedämpft. Immer wieder fährt ein Taxi die schmale Allee zum Stadion hinunter und wendet umständlich vor dem farblosen Flachdachbau des Clubheims. Es ist ruhig. Weit und breit keine weiß-braunen Schals. Die Leute vor dem Stadion sind keine Fußballfans. Sie sind hier um eine junge, britische Band auf ihrem ersten Deutschlandkonzert zu sehen. Es ist ein Promotion-Gig. Die Plattenfirma hat geladen. Rein darf eigentlich nur, wer auf der Gästeliste steht. Letztlich ist aber nichts von strenger Kontrolle zu merken. Wer rein geht kommt rein. Achtzig mögen es wohl sein, die gekommen sind. Man kennt sich. In kleinen Grüppchen stehen sie an der Bar, sitzen auf Bierbänken oder draußen am Rand des Stadions. Es ist die Indie-Elite Hamburgs. Jene die zu jeder neuen Band die richtigen Worte auf den Lippen haben, die Kleiderstil und Plattensammlung perfekt synchronisieren. Ich bin ein wenig überrascht dazwischen zu sitzen und selbst Gesichter zu erkennen.
Schließlich strömen alle in den Konzertraum. Hinter der niedrigen Bühne prangt ein überdimensionales Bild des Millerntors an der Wand. Der Typ von der Plattenfirma kommt auf die Bühne. Er begrüßt, lobt, beglückwünscht. Dann die Introduction: THE ENEMY!
Für einen Augenblick ist es still. Alle wenden wartend, suchend die Köpfe in alle Richtungen. Und dann tauchen Sie auf. Vor irgendwo weiter hinten stolpern sie an uns vorbei auf die Bühne. Drei kleine Jungen, möchte man sagen. Man möchte lächeln darüber, dass der Sänger obwohl er auf der Bühne steht für die vierte Reihe schon beinahe nicht mehr sichtbar ist. Man möchte lächeln darüber, dass der Schlagzeuger aussieht als wäre er nicht mal alt genug Bier zu trinken. Aber man kommt nicht zum lächeln, denn dann kommt die Musik – und fegt einen weg. Einfach so. Großartig. Fantastisch. Energetisch. Zornig. Trotzdem schön. Perfekt.
In England ist ihr Album auf Platz eins der Charts. In England spielen sie bei Top Of The Pops. In England spielen sie Stadien. In Hamburg spielten sie vor dem Bild des Millerntors. Für uns paar Musik-Verrückte. Und ich war dabei. Something to remember…

2 comments:

Anonymous said...

hi-in england gibt es leider totp nicht mehr ...... - ich glaub seit anfang diesen jahres - anyway - zornig find ich richtig gut

Annie Higgen said...

tatsächlich??
oh mein Gott! worin besteht dann noch der Sinn eine Popband zu gründen?
Und was sagt ART BRUT dazu? Wie war das noch mal mit ihrem Traum 8 Wochen in Folge dort zu spielen... dieser Traum ist wohl ausgeträumt... :(

Formed A Band
"We're gonna write a song as universal as Happy Birthday. And we're gonna play it 8 weeks in a row on Top Of The Pops"