2007/11/30

Von längst vergangenen Nächten

Ich bin spät dran, wie in letzter Zeit so oft. Kaum eine ruhige Minute. Kein Wochenende ohne große oder kleine Verpflichtungen. Mal wieder zwanzig Bälle gleichzeitig in der Luft. Aber solange sie fliegen ist es gut. Nichts schlimmer als Langeweile...
Doch mein Thema war eigentlich: Two Gallants & Blitzen Trapper im Knust.
Ich gebe zu, es kommst mir schon wieder vor als läge das Konzert Ewigkeiten zurück. Letzte Woche? Letztes Jahr? Keine Ahnung, den Überblick verloren.
Was bleibt sind geschätzte drei Stunden voller energetischer Musik. Eine Vorband – namentlich Blitzen Trapper – die überrascht, verblüfft, Spaß macht, winzige Plastik-Casio-Keyboards auf der Bühne spielt. Dann Two Gallants, eine ausgedehnte, mitreißende Jam-Sessions. Ein musikalisches Wollknäuel aus Schlagzeug und Gitarre, unter Strom gesetzt von der düsteren Leidenschaft einer Stimme, die durch Mark und Bein gehen kann...

Fly low you carrion crow
And seize my body for the debt i owe
Drop me high unto the depths below
For the things i’ve dreamed no one else should know


2007/11/14

Ein Abend in bester Gesellschaft

Foals, Bloc Party, Blood Red Shoes und The Wombats. Das alles an einem Abend!
Es war eigentlich zu schön um wahr zu sein und ich musste auch den ein oder anderen Trick anwenden um diesen Traum für mich wahr werden zu lassen... Aber irgendwie hatte es geklappt und so stolperte ich am Samstagabend um kurz nach sieben in die Grosse Freiheit 36, und mitten hinein in das Set der Foals. Aus irgendeinem Grund hatten die Veranstalter nämlich versäumt den, um eine Stunde vorgezogenen Beginn des Konzerts, bekannt zu geben. Die großartige, energetische Performance der Foals und ihre minimalistischen Pop-Hynmen blieben somit größtenteils unbemerkt von den Bloc Party-Fans, die gerade erst ankamen oder sich noch in der Garderoben-Schlange langweilten. Schade, wie ich finde, denn die Band hat ein paar mehr begeisterte Anhänger verdient.
Pünktlich um acht Uhr traten schließlich die wirklichen Helden des Abends auf die Bühne. Brausender Jubel zu überraschend wenig Theatralik. Keine Blechbläser-Fanfaren und blendende Lichtshow, einfach ein bisschen Nebel, der weiße Bloc Party Schriftzug und vier sympathische junge Musiker die grinsend und winkend auf die Bühne schlendern. Erfrischend simpel. Was folgte sind 60 Minuten dichte Beatgewebe, hinreißender Gesang und lässiges Geplauder. Ein Fan in der ersten Reihe wird effektvoll auf sein cooles (Bloc Party) T-shirt angesprochen, man versucht dem Publikum ein paar echte Britische Redensarten beizubringen und Kele klettert auf einen Boxenturm und von dort auf den Balkon, um quer durch die Menge auf der anderen Seite wieder auf der Bühne zu erscheinen. Keine Spur von Starallüren. Dann kommen die Zugaben: die neue Single „Flux“ und das großartige „Sunday“ mit zwei Drum-Sets. Fantastisch. Aber das war noch nicht alles. Denn das Publikum lockt die Band ein zweites Mal auf die Bühne: Neben „Helicopter“ wird „Skeleton“ gespielt – ein Song der sonst nur auf einer in Japan veröffentlichten EP zu finden ist, eine Live-Performance-Seltenheit – und das mitreißende „The Pioneers“! Man hätte der Band gerne persönlich gedankt...


Nachdem das allgemeine Chaos am Ausgang und die Garderoben-Schlange bewältigt waren ging es eilig weiter in die stickige Hitze des ausverkauften Molotow. An ein Durchkommen zur Bühne war nicht zu denken. Man blieb schon am Durchgang zum Konzertraum in der Menge stecken wie ein Korken in der Flasche. Motorbooty feiert Geburtstag. Doch der ersehnte Auftritt der Blood Red Shoes ließ nicht lange auf sich warten. Zu sehen war zwar nichts, da die kleine, schmächtige Figur von Laura-Mary Carter von den Köpfen der menschlichen Sardinen völlig verdeckt wurde. Aber es wären nicht Blood Red Shoes gewesen wenn sie nicht Bewegung in die Masse bringen könnten. Sie spielten all die packenden Hurricane-Lieder und ich fiel überglücklich nach dem Set in eine der weichen Couches und blieb dort bis ein Uhr liegen. Somit waren die Wombats für mich größtenteils ein reines Hörerlebnis. Doch wer könnte den freudigen Melodien dieser Band widerstehen? Olaf rief mir zu, dass er sie für die nächsten Beatles hält. Naja, soooo weit würde ich vielleicht nicht gehen, aber die drei Liverpooler und ihre blumigen Melodien und trällernden Gitarren haben all meine Sympathie – und das nicht zuletzt wegen ihrem wundervollen Akzent...
Seufz. War das ein Abend...

2007/11/05

Monster und Sofas

Zwei nette, junge Amerikaner, die für drei Tage auf unserem WG-Sofa nächtigten und eine Nacht voller Ungeheuer und Gespenster. Ein verrücktes Wochenende.

Die Backstreet Boys im Molotow

Ich mag das Molotow.
Ich weiß, es ist eng, laut und verraucht und vielleicht könnte man ihm sogar seine trendiness vorwerfen. Aber es ist und bleibt der erste Club für Indie in Hamburg. Der erste Club in dem sie alle spielen. Solche „ersten“ Konzerte sind die Highlights. Mit ein paar zig Leuten, die genauso musikbegeistert wie man selbst sind, in angenehmer Atmosphäre wirklich gute Musik hören, Spaß haben. Was kann es Schöneres geben?
Schade nur, dass das Konzert von den Films am vergangenen Montag keines dieser „ersten“ Konzerte war. Sie hatten schon einen heißen Sommer hinter sich. Sie hatten beim Hurricane gespielt, beim Dockville, sogar auf den kleinsten lächerlichsten Festivals ganz im Süden und Norden der Republik. Und so war das Molotow nicht mit Musikpresse lesenden Indie-Freaks gefüllt, sondern mit Festivalbesuchern und Bravo-Lesern.
Mine und ich waren gleichermaßen entsetzt als wir die Mädchen sahen, die sich vor die kleine, flache Bühne des Molotows auf den Boden setzten, als hätten sie vor hier drei Stunden auf den Auftritt der Backstreet Boys zu warten. Entsprechend unglaublich war auch die Begeisterung die der mittelmäßigen Vorband und schließlich und endlich den Films selbst entgegen gebraucht wurde. Kreischender Jubel. Fanatischer Applaus. Was war da los? Lag es allein an den hübschen Gesichtern der jungen Amerikaner und ihrem lässig, schäbigen Rock-Star-Gehabe?
Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass solche Konzerte keinen Spaß machen. Es war nett. Es gab vier neue Songs zu hören die – wie zu erwarten – sehr hinter den Songs des ersten Albums zurück bleiben. Aber es war nicht diese besondere Atmosphäre.
Solche Konzerte gehören nicht in einen Club wie das Molotow. Sie erinnern mich nur wieder an das alte Problem...