2008/07/30

Tee. Viel Tee.


Nein wirklich. Wir haben es unter Kontrolle. Kein Problem. Alles cool. Tee-Obsession... also bitte. So etwas gibt es doch gar nicht... Wir mögen Tee einfach nur. Viel Tee. Viel verschiedenen Tee. Viel verschiedenen Tee immer und überall und zu jedem Zeitpunkt und wenn mal keiner im Haus ist bekomme ich Panikattacken und Atemnot und werde aggressiv und ein oder zwei Mal bin ich vielleicht orientierungslos auf allen vieren durch die WG gekrochen und habe nach Tee gebettelt... aber nein. Wir haben kein Tee-Problem... Es war nur ein kleiner Kaufrausch...

Recherche

Nachdem ich mich vor meiner zweiwöchigen Flucht in den Süden in einer Phase spontaner Euphorie darauf fest gelegt habe meine Magisterarbeit der Jazz-Avantgarde-Szene im New York der 1980er zu widmen beginnt jetzt also die Recherche.
Ich sitze gemütlich in meinem Zimmer an meinem Schreibtisch, mein iBook vor mir, eine Tasse leckeren Tee in der Hand. Der Tisch ist übersäht mit Papieren und Büchern. Draußen zwitschern die Vögel und ab und zu schleiche ich auf der Suche nach einer süßen Abwechslung in die Küche, wo ich noch auf ein paar Worte mit einem meiner Mitbewohner hängen bleibe.
So hatte ich es mir vorgestellt... Und dann das:
Mikrofilm.
Fragt man STELLA, die zuvorkommende elektronische Beraterin auf der Homepage der Staatsbibliothek Hamburg, völlig aufgelöst nach „Mikrofilm“ zwitschert sie einem fröhlich entgegen: „Ein Mikrofilm ist ein Rollfilm, ein Mikrofiche ist ein kartenähnlicher Träger. Auf solchen Medien hat man Texte oder Bilder in stark verkleinerter Form abgebildet. Oft wird das mit alten Zeitungen gemacht. Das spart Platz, und der Film ist haltbarer als das Zeitungspapier.“
Aha. Genau. Alte Zeitungen. Ich sehe die schwarzweiß Bilder aus alten Krimis noch vor mir, wo der Privatdetektiv sich für ein paar Stunden in die Archive irgendeiner Zeitung vergräbt, angestrengt auf den Projektor des Mikrofilmlesegeräts starrt und am Ende mit den unglaublichsten Erkenntnissen über die dunkle Vergangenheit irgendeines Verdächtigen ins Sonnenlicht zurück kehrt.
Aber nein, nicht nur alte Zeitungen finden sich auf Mirkofilm. Leider verwahrt die British Library alle jemals in der UK veröffentlichten Dissertationen auch in genau dieser Form. Und da das für mich interessante Werk leider noch nicht in den Genuss der fortschreitenden Digitalisierung der Bestände gekommen ist, lag Anfang der Woche ein kleines quadratisches Päckchen im Lesesaal der Bibliothek bereit, mit dem ich mich fortan in einen dunklen, fensterlosen Kellerraum verkriechen, in einer kleine Kabine zwängen und an den quietschenden Räder des Mikrofilm-Projektors drehen darf.
Willkommen im 20. Jahrhundert.

Swabian Nights

Es mag sein, dass ich noch vor einem halben Jahr gefallen daran gefunden habe das Stuttgarter Nachtleben und im Besonderen die dort beheimatete Indie-Szene ins Lächerliche zu ziehen. Heute lasse ich solche gnadenlosen Verrisse lieber sein: Worin liegt das Vergnügen der harschen Kritik, wenn selbst mein Stuttgarter Begleiter immer wieder in Verzweiflung und Unverständnis über den inkompetenten DJ und die Heerscharen von Junggesell(in)en-Abschiede in peinlichen Outfits (die sich ja zum Leidwesen der Hanseatischen Seele auch auf der Reeperbahn die Ehre geben) jammert.
Eigentlich muss ich doch gestehen: Es war eine sehr amüsante Nacht. Sie begann in mediterraner Atmosphäre mit einem guten Flensburger auf den Treppen des Stuttgarter Opernhauses, schlängelte sich über stundenlange geist- und humorreiche Gespräche durch das dichte Gedränge im Schocken auf die Tanzfläche, drehte dort ein paar heiße Runden zu dem Sound von Maximo Park und den Arctic Monkeys, griff sich an der Ecke noch eine kühle Wulle und eine Portion Falaffel ab, landete schließlich weich auf dem Freiluft-Sofa einer Schicki-Micki-Disco und verabschiedete sich am Stuttgarter Bahnhof um 5 Uhr morgens in den ersten Zug nach Hamburg.
Solche Nächte sind mir stets willkommen.