
Ich weiß, du wirfst jetzt verstört einen Blick auf die URL um dich noch mal zu vergewissern, dass du nicht versehendlich auf dem falschen Blog gelandet bist. – Aber nein, du hast dich nicht verirrt. Das hättest du nie von mir gedacht! Tja, sorry... tut mir aufrichtig leid, dass ich hier Weltbilder zum Einsturz bringe und Freundschaften zerstöre, aber es muss einfach mal gesagt sein:
Ich mag Batman.
Und für alle kopfschüttelnden Comicmuffel und mainstream-verachtenden Indie-Cineasten sei an dieser Stelle mit einem der weitläufigsten Vorurteile über den Mann in schwarz aufgeräumt: Batman ist kein Superheld.
Batman läuft nicht unkontrolliert grün an, wird nicht von irgendwelchen Gesteinsbrocken auf unerklärbare Weise in die Knie gezwungen oder nimmt in Gefahrsituationen keine hässliche Feedbackgeräusche und komische Lichtblitze wahr. Er ist, um es an dieser Stelle noch einmal festzuhalten, einfach nur ein Mann in einem Fledermauskostüm.
Nun, über die Kostümwahl lässt sich streiten... enge Hosen, lange Umhänge und spitze Plastikohren sind nicht jedermanns Sache – aber wir wollen uns ja nicht um modische Feinheiten streiten.
Wo Superman &co also fernab jegliche Realität der Schwerkraft und einiger anderer weithin anerkannter Naturgesetze spotten und trotz all ihrer Fähigkeiten am Ende nur um Haaresbreite den Bösewicht in die Flucht schlagen, erledigt Batman die Schurken in guter, alter Krimi-Tradition mit nicht viel mehr als der Hilfe eines coolen Autos und eines Butlers. Und der Butler allein ist schon Grund Batman zu lieben!
Und dann wäre da dann noch die Sache mit den Frauen. Sind wir doch mal ehrlich. Bei den meisten Comic-Helden bleibt für die Frauen nur die Rolle der Jungfrau in Nöten. Da ist die obligatorische Liebesgeschichte a la „Clark liebt Louis und Louis liebt Superman“ die der Geschichte eine verzweifelte Tragik geben soll. Und einmal pro Episode wird die Geliebte dann unauffällig in die Hände des nächsten Allmachtsfantasten gespielt, damit sie kurz vor Schluss wieder aus eben diesen gerettet werden kann.
Anders sieht es bei Batman aus. Klar, ab und zu wird dort zwar auch mal gerne eine Frau gerettet – wer würde sie denn einfach so stehen lassen, wenn sie so schön um Hilfe schreit? – aber in der Hauptzahl finden sich die Frauen in völlig anderen Rollen wieder: Nämlich in der Rolle der Bösen. Und da Batman auch nur ein Mann ist – wie ich ja schon klar gestellt habe – wird er nicht im seltensten Fall schwach bei den hübsch verpackten Kurven seiner Gegenspielerin. Der Held mit Schwächen.
Zuletzt muss ich noch die Ästhetik erwähnen, schließlich sind alle Urteile und Entscheidungen auf lange oder kurze Sicht immer ästhetische...
Batman ist düster, geheimnisvoll, cool. Jeder der den Anfang von Tim Burtons Batman Verfilmungen gesehen hat, kennt vielleicht die Atmosphäre die ich hier im Besonderen meine. Das schattenhafte, trostlose Gotham City, in dem an jeder Ecke das Unheil lauern kann, wird sanft von Schneeflocken bedeckt. Geheimnisvolle Musik. Das ist die dunkle Comic-Tradition die sich auch in Sin City auf eine Art findet.
Das die Schatten in dieser Welt immer ein bisschen tiefer und ein bisschen länger sind als in Wirklichkeit macht es dramatisch, aber die Bodenhaftung hat man noch nicht verloren, - ganz im Gegensatz zu Superman.


