Es waren so viele wundervolle Konzerte und doch habe ich es bis zu diesem Augenblick nicht geschafft nur ein einziges Wort darüber zu Papier zu bringen. Seltsam. Ich lebe in Phasen wie es scheint und für einige Zeit war es eine wortlose Phase. Heute Abend breche ich also die Stille und schreibe über mitreißende Hymnen und gute Laune Musik fürs gehobene Bildungsbürgertum von Vampire Weekend und den White Rabbits, und über einen großen, ruhigen See bei Mondenschein, in dem sich die Musik von The Miserable Rich spiegelt...
Es war überraschend, dass zwei Bands, die sich musikalisch und geographisch, genauso wie von ihrem Image-Verständnis und Kleiderstil her, so nahe sind wie Vampire Weekend und die White Rabbits, sich beide innerhalb von wenigen Tagen die Ehre gaben in Hamburg zu gastieren. Gut, es ist vielleicht ein bisschen übertrieben die mitunter Strokes’esken, manchmal auch Orgel-dominierten, LoFi-Songs von Vampire Weekend mit den zum Teil orchestralen, rhythmischen Hymnen von den White Rabbits in einen Topf zu werfen. Aber beide Bands verbindet doch eine Tendenz sich mit diesem oder jenem Sound ein bisschen über den Indie-Tellerrand zu trauen (und dabei im Fall von den White Rabbits auch keinen Halt vor dem etwas Skurrilen zu machen...).
Und dann wäre da noch dieses Phänomen, dass sich am besten in einem, mit dem Bild eines Cricket-Spieler bedruckten, Polo-Shirt am Merch-Stand verdeutlichen lässt: Man möchte es beinahe College-Indie nennen. Die akademisch anmutende Alternative zum Working-Class-Nachgeschmack, mit dem sich die Indie-Musik in Großbritannien so gerne schmückt. Warum auch nicht? Wir wollen ja nicht all die musikbegeisterten Studenten Mitte 20 vernachlässigen, die sich zunehmend schwer damit tun sich mit der „we live and die in theses towns“ Mentalität 18jähriger Briten mit wachsendem Drogenproblem zu identifizieren... Warum da nicht eine Band, die sich in ihren Texten auf das Uni-Leben bezieht, und deren Bandmitglieder Polo-Hemden tragen und Drogen „womöglich nur aus dem Fernsehen“ kennen... Dass dieses hübsche College-Image am Ende vielleicht genauso abwaschbar ist wie sein Britisches Working-Class Pendant bleibt zweitrangig. Was zählt ist die Erinnerung an zwei hinreißende Konzerte in angenehmer Stimmung. An die pure Spielfreude, die einem von der (leicht überfüllten, mit zwei Schlagzeugen bevölkerten) Bühne der White Rabbits entgegenstrahlte und die sympathische gute Laune, die beide Bands versprühten.
Indie für literaturinteressierte Studenten ab Mitte zwanzig? Gerne doch! Das heißt: so lange ich meine Chucks anbehalten darf...
Anders, ruhiger und klassischer das Konzert von The Miserable Rich gestern Abend. Es war ein relativ spontaner Einfall gewesen die Band im Grünen Jäger zu sehen und eigentlich hatten wir fest mit einem dieser Konzerte gerechnet, bei dem sich mehr Menschen auf der Bühne befinden als vor ihr. Doch wir hatten wohl das Hamburger Publikum unterschätzt, oder besser: wir hatten ihre Treue im Bezug auf den Besuch von Konzertreihe unterschätzt. So befanden wir uns also mittendrin in dem etwas älteren, weniger Indie’esken dafür allerdings nicht weniger enthusiastischen Publikum, das sich wohl jeden Mittwochabend hier einfindet. Was auf uns wartete war eine Stunde wunderschöne Musik. – Ja, so einfach mache ich es mir, wenn ich The Miserable Rich beschreibe. Wunderschön. Perfekter, wandlungsfähiger Gesang getragen von 18 Saiten. Nicht mehr und nicht weniger. Kein Percussions. Kein aufwändiger Elektro-Schnick-Schack. Nur einfach hübsche Melodien, Lieder über die Liebe, im sanft fließenden Gewand der Streicher-Musik. Manchmal bedarf es nicht mehr für einen perfekten Abend.
2008/05/01
Frei
Scheinfrei. Ein seltsames Gefühl. Ich hefte das letzte Blatt in mein Studienbuch ein und frage mich ob das tatsächlich die Bilanz von 4 Jahren Studium ist. Ein kleines Din A5 Heftchen, gerade mal einen Zentimeter dick. Unterschriften und Stempel. Nicht mehr...
Aber dann fällt mir ein wie die Bilanz meines Studium wirklich aussieht: Gedanken, Bücher, viel Papier...
Aber dann fällt mir ein wie die Bilanz meines Studium wirklich aussieht: Gedanken, Bücher, viel Papier...
Bang, Bang, You're Dead!
Scott Matthew sitzt auf einer grünen Regen-Jacke in einer kleinen Gasse irgendwo im österreichischen Krems. Er hat seine kleine Gitarre auf den Knien und singt zart einen Song den er erst drei Tage vorher geschrieben hat.
Killed by 9V Batteries quetschen sich für einen Song irgendwie zu viert auf den Rücksitz ihren chaotischen Tourbus. Der Drummer trommelt auf der Kante seiner Snare-Drum während der Gitarrist und Bassist ihre Instrumente beinahe aufrecht halten müssen um überhaupt spielen zu können. Für den nächsten Song sitzen alle vier auf der riesigen Reifen-Schaukel auf einem Spielplatz irgendwo im Wiener Stadtteil Spittelberg und schaukeln ausgelassen im Takt hin und her.
Die Shout Out Louds streifen durch die dunkeln Straßen von Wien. Sie bauen ihre Instrumente auf einer, mit Grafittis verzierten Quarter-Pipe im Arne Karlssonpark, auf und spielen Tonight I Have To Leave It. Der Klang von Bells und Glockenspiel schwirrt durch die kalte Winter-Nachtsluft.
Der Sänger und der Gitarrist von Chikinki sitzen unter einer Eisenbahn-Brücke in Wien, umgeben von Bau-Gerümpel. Hinter ihnen bunte Grafittis an den Wänden. Es ist kalt und dunkel und sie spielen Sunrise und Ether Radio.
Es ist ein trister Dezembertag und Two Gallants schlendern durch das verlassene Areal des ehemaligen Schlachthofs im Wiener Industrie-Viertel Erdberg. Adams Stephens hat seine Gitarre und Mundharmonika um. Sie spielen Despite What You Have Been Told und Damnatio Memoriae während sie von ein paar streunenden Hunden verfolgt werden.
Es sind kleine Akustik-Sessions irgendwo in den Straßen von Wien. Großartige, stimmungsvolle Momentaufnahmen. Sie alle sind Teil des Wiener Video-Blog-Projekts THEY SHOOT MUSIC DONT THEY und müsste ich ein Wort für sie finden, ich würde „bezaubernd“ sagen...
Killed by 9V Batteries quetschen sich für einen Song irgendwie zu viert auf den Rücksitz ihren chaotischen Tourbus. Der Drummer trommelt auf der Kante seiner Snare-Drum während der Gitarrist und Bassist ihre Instrumente beinahe aufrecht halten müssen um überhaupt spielen zu können. Für den nächsten Song sitzen alle vier auf der riesigen Reifen-Schaukel auf einem Spielplatz irgendwo im Wiener Stadtteil Spittelberg und schaukeln ausgelassen im Takt hin und her.
Die Shout Out Louds streifen durch die dunkeln Straßen von Wien. Sie bauen ihre Instrumente auf einer, mit Grafittis verzierten Quarter-Pipe im Arne Karlssonpark, auf und spielen Tonight I Have To Leave It. Der Klang von Bells und Glockenspiel schwirrt durch die kalte Winter-Nachtsluft.
Der Sänger und der Gitarrist von Chikinki sitzen unter einer Eisenbahn-Brücke in Wien, umgeben von Bau-Gerümpel. Hinter ihnen bunte Grafittis an den Wänden. Es ist kalt und dunkel und sie spielen Sunrise und Ether Radio.
Es ist ein trister Dezembertag und Two Gallants schlendern durch das verlassene Areal des ehemaligen Schlachthofs im Wiener Industrie-Viertel Erdberg. Adams Stephens hat seine Gitarre und Mundharmonika um. Sie spielen Despite What You Have Been Told und Damnatio Memoriae während sie von ein paar streunenden Hunden verfolgt werden.
Es sind kleine Akustik-Sessions irgendwo in den Straßen von Wien. Großartige, stimmungsvolle Momentaufnahmen. Sie alle sind Teil des Wiener Video-Blog-Projekts THEY SHOOT MUSIC DONT THEY und müsste ich ein Wort für sie finden, ich würde „bezaubernd“ sagen...
Des Pudels Kern
Ich hatte es noch niemals auf der Bühne gesehen. Noch nicht mal in der klassischen Gründgens Verfilmung: Den Faust. Johann Wolfang von Goethe’s Faust. Natürlich habe ich ihn gelesen. Wie wir ihn wohl alle gelesen haben. Irgendwann in der Oberstufe. Und, ja ich mochte ihn. Ich war und bin ein Goethe Liebhaber.
Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg gibt ihn seit Oktober 2005 immer wieder. Alle paar Monate. Und immer wieder, alle paar Monate sind die Karten innerhalb von 2 Tagen vergriffen. Seitdem ich in Hamburg wohne hatte ich es irgendwie im Hinterkopf, und hab es stets verpasst. Aber dieses Mal hatte ich tatsächlich zufällig die Ankündigung auf der Homepage des Schauspielhauses gesehen: Morgen beginnt der Vorverkauf für die Faust I Aufführung am 27. April. Und so bekam ich meine 11 Euro-Karte. 1. Rand letzte Reihe am Gang: Ein Teil von Goethes Faust.
Ein Teil. Richtig: Ein Teil. Denn das Stück spielte nicht auf der Bühne. Es spielte im Theater. Auf der kreisrunden, drehbaren Plattform in der Mitte des Zuschauer-Raums, auf den Balkonen und Rängen, auf den schmalen Balustraden, zwischen den Sitzen, auf dem Schoß der Zuschauer.
Es war so lebendig, trotz all seiner feinen Reim-Struktur. So witzreich, trotz all seiner Tragik. So nahe, trotz all seiner 18. Jahrhundert-Normen und Zwänge.
Ich kann nicht vergleichen, wie gesagt, es war die erste Faust-Inszenierung, die ich jemals sah. Doch ich fand sie großartig. Sie machte mir Goethes Worte wundervoll lebendig. Vielleicht sollte ich es mal wieder rauskramen, das gelbe, knittrige Reclam-Heft...



Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg gibt ihn seit Oktober 2005 immer wieder. Alle paar Monate. Und immer wieder, alle paar Monate sind die Karten innerhalb von 2 Tagen vergriffen. Seitdem ich in Hamburg wohne hatte ich es irgendwie im Hinterkopf, und hab es stets verpasst. Aber dieses Mal hatte ich tatsächlich zufällig die Ankündigung auf der Homepage des Schauspielhauses gesehen: Morgen beginnt der Vorverkauf für die Faust I Aufführung am 27. April. Und so bekam ich meine 11 Euro-Karte. 1. Rand letzte Reihe am Gang: Ein Teil von Goethes Faust.
Ein Teil. Richtig: Ein Teil. Denn das Stück spielte nicht auf der Bühne. Es spielte im Theater. Auf der kreisrunden, drehbaren Plattform in der Mitte des Zuschauer-Raums, auf den Balkonen und Rängen, auf den schmalen Balustraden, zwischen den Sitzen, auf dem Schoß der Zuschauer.
Es war so lebendig, trotz all seiner feinen Reim-Struktur. So witzreich, trotz all seiner Tragik. So nahe, trotz all seiner 18. Jahrhundert-Normen und Zwänge.
Ich kann nicht vergleichen, wie gesagt, es war die erste Faust-Inszenierung, die ich jemals sah. Doch ich fand sie großartig. Sie machte mir Goethes Worte wundervoll lebendig. Vielleicht sollte ich es mal wieder rauskramen, das gelbe, knittrige Reclam-Heft...



Monsun
Ich wusste genau worauf ich mich einlasse. Schließlich war ich dabei gewesen, als sie letzten November an gleicher Stelle auf der Bühne standen: Blood Red Shoes im Molotow. Und es war was es schon vor einem halben Jahr gewesen war: heiß und energetisch. Das Molotow brodelte. Ein Hexenkessel, gefeuert von peitschenden Drums und zorniger Gitarre. Ich warf mich glücklich in die Massen, ließ mich für ein paar Songs einfach sorglos in diesem Meer treiben und hielt mich später, weiter hinten, an meiner Kondenswasser-tropfenden Bierflasche fest. Hinter den Wogen die am Bühnenrand brachen, tauchte ab und zu der Kopf der Gitarristin auf. Ein Monsun, heiß, klebrig, reißend, wild, perfekt. Als die Wogen sich glätteten tanzten wir. Schließlich war das „Club NME“... Ein stürmischer Abend in bester Gesellschaft.
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