2008/04/30

Gute Aussichten

Ein neuer Job und Hamburg liegt mir zu Füßen. Leider nur im wörtlichen Sinne (vom 14. Stock des Philosophen-Turms), nicht im übertragenen. Aber wer weiß... neue Perspektiven, andere Blickwinkel, Veränderungen... vielleicht kommt das ja auch noch...? :)

Königliche Größe

Eine Indie-Band, die sich Kingsize nennt...
a) war ziemlich bekifft als sie sich den Namen überlegt hat.
b) ist – trotz der Tatsache, dass sie noch nicht mal eine Last.fm Site hat – chronisch größenwahnsinnig und glaubt tatsächlich daran mal richtig groß zu werden.
c) ist ein riesiger „Kings of Leon“ Fan und dachte der Name wäre eine nette Hommage.

Ich kann nur vermuten, dass Kingsize aus London das letztere gilt.
Sicher bin ich mir allerdings darüber, dass die Band mir mit ihrem – leider sehr kurzen – Auftritt in der wundervollen Hamburger Prinzenbar einen äußerst hübschen Abend beschert hat. Ich gebe zu, wir mussten längere Wartezeiten und eine untalentierte Hamburger Vorband erdulden, die mich mal wieder vor die Frage gestellt hat, warum eigentlich ICH aufgehört habe Musik zu machen wenn selbst DIE Gigs bekommen und Fans haben. Doch was folgte waren schließlich kurz und knackige 25 Minuten höchst erfreulicher Indie-Rock und ein gratis Kingsize-Button. Hübsch.

Der Barde des 21. Jahrhunderts

Er singt Lieder über die Menschen für die Menschen. Erzählt Geschichten, teilt Gedanken. Und wir hängen wie gefesselt an seinen Lippen es zu hören. Er ist nicht einer dieser Klangpoeten die sich minutenlang im romantischen Selbstmitleid einer zerbrochenen Liebe ergießen, sich ewig um sich selbst drehen bis sie schwindlig am Boden liegen. Nein, er ist anders. Er redet zu uns. Manchmal simpel, manchmal poetisch, aber immer schön. Gedankenvoll.



Stuck in reflections, it's getting late
Same hopes and fears we can all relate to
Some speak in riddles I speak in rhyme
Making decisions out of time

This tourniquet tries to restrict the flow
Of all the truths that you should know
My acid tongue and your sense of wit
Don't let society restrict

A quick verse for the underrated
Don't let the pressures get you down
Keep singing out, keep singing loud

So wie er da steht, diese Worte auf den Lippen, in seinem pinkfarbenen Polo-Shirt, die Gitarre umgehängt, ein ganzes Orchester in der Laptop-Tasche, unter der verblichenen Stuck-Fassade der Prinzenbar bin ich mir plötzlich sicher, ich sehe in seinem Schatten die Geister der hundert Generationen von Barden vor ihm.

2008/04/21

Mitglied

Ich bin Mitglied. Hier und da. Gefühlte überall. Die bunte, unendliche Welt des World Wide Web... schade, sie ist for members only.
„Sie wollten nur mal schnell kucken? Wohl gar noch einkaufen? Runterladen? Mitmachen? Da müssen Sie aber... Dauert nur eine Sekunde. Völlig kostenlos. Nur hier die eMail-Adresse, da das Passwort, ein Haken bei den (stets ungelesenen) AGBs, Bestätigunslink, Kreditkartennummer...“
E-Bay, MySpace, Facebook, Amazon, Last.Fm, Blogger, Couchsurfing, Simfy, Livejournal, Allmybands, Kartenhaus, GMX, Blume2000, Bahn.de, CDWow, Picasa, selbst das Deutsche Schauspielhaus. – Ich bin Mitglied. Schön dazu zugehören...?

Überraschungstreffer


Wir kamen um Röhren-Jeans-tragenden Indie-Rock zu suchen und fanden feine Songwriter-Lyrik. Wir hatten uns auf einen Abend im leeren Grünen Jäger eingestellt und verbrachten ihn im überraschend vollen Turmzimmer des Übel&Gefährlich: Sir Simon Battle statt Hot Rocket. Berlin statt South East London. ...und es war bezaubernd. Hübsche Melodien segelten durch die Luft, streichelten die Gehörgänge und küssten die Seele. Ich war überrascht.

Konsum

Es ist mir schon peinlich, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich gehöre zu den Millionen von Opfern der Konsumgesellschaft. Ich bin eines der unzähligen Räder einer Maschinerie, die dafür verantwortlich ist, dass es alle vierzehn Tage einen neueren, tolleren, schöneren, schnelleren Laptop-, MP3-Player-, Handy-, Dingsbums-Elektro-Schnickschnack gibt. Ich trage mit Verantwortung daran, dass das coolste Outfit jedes Vierteljahr anders aussieht und dass es Duschcremes jetzt in JEDER denkbaren Form, Farbe und Geschmacksrichtung gibt. Und warum?
Ich freue mich. Ich freue mich königlich. Hüpfe durch meine WG, rufe die ganze Verwandtschaft an, zeige es stolz allen – egal ob sie es sehen wollen oder nicht: Das neuste Ding. Eines von ein paar tausend. Ich bin mächtig stolz und muss es natürlich gleich ausprobieren. Ich bin verliebt.
Heute ist meine neueste Liebe ein leuchtend gelber Friesennerz.
Aber morgen? Und übermorgen?