Wir stürzen die kleinbürgerlichen Strukturen im Detail, Mikro-Revolution, Montagmorgen-Punk.
Das Lokstedter Zentrum für Orthopädie.
Hier zeigen sie sich also, meine anarchistischen Tendenzen.
Ich grinse breit wenn die Sprechstundenhilfe mich zum dritten Mal darauf hinweist, dass es sich hier um eine „Bestellpraxis“ handelt und ich mir doch das nächste Mal einen „Termin“ geben lassen soll. „Ein, zwei Stunden wird’s schon dauern.“ – Echt? Nur? Letzte Woche war ich drei Stunden hier.
Ich hau erstmal ab und kauf mir mein Frühstück: Milchkaffee und Croissant. Hauptsache ich kann in vier Stunden im Radioladen sein.
Die älteren Damen neben mir reden über Ärzte und Wartezeiten. „Sind sie denn bei Herrn Dr. Rudolf?“ „Nein, bei Frau Dr. Weinke.“ „Ach so... die soll ja auch gut sein, nich?“ „Ja, ich sach ja immer, ist egal wie der Doktor heißt, Hauptsache er kann einem helfen.“ „Jaja... Das letzte Mal musste ich ja beinahe zwei Stunden warten.“ „Mir wollten sie erst einen Termin am sechzehnten geben. Aber das geht ja nich, so lange warten. Das geht ja nich.“ „Wie lange sind Sie denn schon hier?“ „Eine Stunde. Vielleicht sollte ich mal vorne fragen, ob sie mich vergessen haben.“ „Ja, machen Se das mal. Bei welchem Arzt sind Sie denn? Herrn Dr. Rudolf?“ „Nein, Frau Dr. Weinke.“ „Ach so... ich versteh ja immer nich, dass man hier immer so lange warten muss.“
Ich schon: Wegen Leuten wie mir. Leuten, die das System unterlaufen und lieber zwei oder drei Stunden unangemeldet warten, wenn sie gerade Zeit dafür haben, als ein oder zwei Stunden termingebunden zu warten, wenn sie eigentlich gerade an der Uni sein sollten.
Wie kann man nur. Asoziale Schweine.
Mich kümmert das wenig. Ich schlürfte meinen Milchkaffee und les für die Uni.
„Bei welchem Doktor sind Sie denn?“ „Ich? Keine Ahnung.“
2007/05/02
Subscribe to:
Post Comments (Atom)

No comments:
Post a Comment