
Es ist in aller Munde in Hamburg. Besonders natürlich in den Mündern der Politiker. Die haben sich diese wohlklingenden Worte ja auch ausgedacht: „Der Sprung über die Elbe“. Was ein bisschen nach einer Sportveranstaltung klingt steht eigentlich für nix als Wachstum und Expansion. Städtebaulich, versteht sich. Wer die dieswöchige Ausgabe des Spiegels gelesen hat weiß worum es geht. Der Hamburger Senat hat große Pläne für die Stadt. Alles soll größer, schöner, besser, toller werden. Dagegen hat wohl niemand was. Ich auch nicht. Vor allem nicht, wenn es ausnahmsweise nicht für die Leute an der Alster oder in der HafenCity schöner werden soll, sondern für die Leute in Wilhelmsburg und Veddel. Das sind nämlich die beiden S-Bahnhaltestellen auf dem Weg in den Süden bei denen Aus- oder Einsteigen ein Bekenntnis zum Verliererdasein ist. Wer hier wohnt ist meist arbeitslos oder hat – wie man so schön politisch korrekt sagt – einen Migrationshintergrund (was ja eigentlich nichts Schlechtes ist. Nur scheint es in Deutschland so zu sein, dass mit der Aufenthaltsgenehmigung auch gleich eine Benachteiligungsgarantie ausgestellt wird).
Der Senat will also Wilhelmsburg helfen. Oder besser, will etwas aus Wilhelmsburg machen. Lebensraum für mehr gut ausgebildete, junge Fachkräfte zum Beispiel. Damit die sich aber wohl fühlen in Wilhelmsburg muss erstmal einiges passieren. Es muss hübscher werden. Trendier, um genau zu sein. Denn was wünscht man sich als wohl situierter Yuppie? Bars und Coffeeshops, ein Fitnesscenter, dass 24 Stunden am Tag geöffnet hat, coole Boutiquen und Bioläden. Von alledem gibt es in Wilhelmsburg bis jetzt noch nichts. Die ein oder andere Eckkneipe vielleicht, und natürlich den türkischen Kulturverein... aber wer hat schon mal einen Typ mit stylischem Haarschnitt, Hornbrille und knallgrüner Postbag mit einem Teegläschen über eine Partie Backgammon gebeugt gesehen?
Es brauch also erstmal ein paar Pioniere, die in die „Docks“ ziehen und die Coffeeshops und Bioläden eröffnen. Und da niemand so schnell auf die Idee kommt heutzutage gerade nach Wilhelmsburg zu ziehen hat sich der Senat eine hübsche Werbekampagne zurechtgelegt um den Stadtteil in das Bewusstsein der Hamburger zu rücken. Dazu gehört die IBA. Die Internationale Bauausstellung die dort 2012 stattfinden soll. Und es gehört ein aufregendes, vielseitiges Sommerprogramm dazu, dass Leute nach Wilhelmsburg bringen soll – wenn auch nur für einen Tag.
Damit wären wir also bei meinem persönlichen „Sprung über die Elbe“ am vergangenen Wochenende: Das Dockville-Festival. Auf dem Programm standen zwei Tage Bands und Kunst.
Und es war überraschend anders. Beinahe wie ein Tag am Meer. Ein Dünen-Gelände mit kleinen niedrigen Wäldchen, an einem See, mitten in Hamburg, keine 15 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Am Horizont ragten die Kräne der Hafenanlagen empor. Überraschende, faszinierende Kulisse.

Im Nachhinein gebe ich der Kunst bessere Noten als der Musik. Es war nicht viel, nicht so viel wie ich erwartet hatte, aber die Installationen die es gab waren irgendwie liebenswert. Discokugeln im Wald. Ein kleines Holzhäuschen mit zwei seltsamen Bewohnern. Zwei Rieseneier auf einem Festival. Ein Birkenwäldchen voller Papierstreifen. Eine Backofenorgel. Die Elbphilharmonie aus Sperrmüll
und alten Fischernetzen.
Was die Musik anbelangt... ich mochte die Michelles & To My Boy. Und natürlich die Films. Mehr nicht. Aber es war auch Kalt. Verdammt kalt. Wie eine Nacht am Stand eben.
Ob ich jetzt nach Wilhelmsburg ziehe? Nein. Sorry, Ole. Ich bleib wo ich bin.

3 comments:
Laut SPIEGEL ist Hamburg ja auch eine der neuen Trend-Städte. Was Du natürlich schon immer gewusst hast, nicht?
Aber warte...Stuttgart holt auf. Langsam, aber sicher! :-)
die discokugeln im wald hast du nicht fotografiert? na toll... hätte ich ja gerne mal gesehen. ;)
ich hab doch gar keine Kamera... die Bilder sind alle nur aus dem Netz. Sorry. Aber die Discokugeln waren wirklich cool! :)
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