Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg gibt ihn seit Oktober 2005 immer wieder. Alle paar Monate. Und immer wieder, alle paar Monate sind die Karten innerhalb von 2 Tagen vergriffen. Seitdem ich in Hamburg wohne hatte ich es irgendwie im Hinterkopf, und hab es stets verpasst. Aber dieses Mal hatte ich tatsächlich zufällig die Ankündigung auf der Homepage des Schauspielhauses gesehen: Morgen beginnt der Vorverkauf für die Faust I Aufführung am 27. April. Und so bekam ich meine 11 Euro-Karte. 1. Rand letzte Reihe am Gang: Ein Teil von Goethes Faust.
Ein Teil. Richtig: Ein Teil. Denn das Stück spielte nicht auf der Bühne. Es spielte im Theater. Auf der kreisrunden, drehbaren Plattform in der Mitte des Zuschauer-Raums, auf den Balkonen und Rängen, auf den schmalen Balustraden, zwischen den Sitzen, auf dem Schoß der Zuschauer.
Es war so lebendig, trotz all seiner feinen Reim-Struktur. So witzreich, trotz all seiner Tragik. So nahe, trotz all seiner 18. Jahrhundert-Normen und Zwänge.
Ich kann nicht vergleichen, wie gesagt, es war die erste Faust-Inszenierung, die ich jemals sah. Doch ich fand sie großartig. Sie machte mir Goethes Worte wundervoll lebendig. Vielleicht sollte ich es mal wieder rauskramen, das gelbe, knittrige Reclam-Heft...




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