2008/05/30

Von Vampiren, weißen Kaninchen und Reichen die niemals glücklich werden

Es waren so viele wundervolle Konzerte und doch habe ich es bis zu diesem Augenblick nicht geschafft nur ein einziges Wort darüber zu Papier zu bringen. Seltsam. Ich lebe in Phasen wie es scheint und für einige Zeit war es eine wortlose Phase. Heute Abend breche ich also die Stille und schreibe über mitreißende Hymnen und gute Laune Musik fürs gehobene Bildungsbürgertum von Vampire Weekend und den White Rabbits, und über einen großen, ruhigen See bei Mondenschein, in dem sich die Musik von The Miserable Rich spiegelt...

Es war überraschend, dass zwei Bands, die sich musikalisch und geographisch, genauso wie von ihrem Image-Verständnis und Kleiderstil her, so nahe sind wie Vampire Weekend und die White Rabbits, sich beide innerhalb von wenigen Tagen die Ehre gaben in Hamburg zu gastieren. Gut, es ist vielleicht ein bisschen übertrieben die mitunter Strokes’esken, manchmal auch Orgel-dominierten, LoFi-Songs von Vampire Weekend mit den zum Teil orchestralen, rhythmischen Hymnen von den White Rabbits in einen Topf zu werfen. Aber beide Bands verbindet doch eine Tendenz sich mit diesem oder jenem Sound ein bisschen über den Indie-Tellerrand zu trauen (und dabei im Fall von den White Rabbits auch keinen Halt vor dem etwas Skurrilen zu machen...).
Und dann wäre da noch dieses Phänomen, dass sich am besten in einem, mit dem Bild eines Cricket-Spieler bedruckten, Polo-Shirt am Merch-Stand verdeutlichen lässt: Man möchte es beinahe College-Indie nennen. Die akademisch anmutende Alternative zum Working-Class-Nachgeschmack, mit dem sich die Indie-Musik in Großbritannien so gerne schmückt. Warum auch nicht? Wir wollen ja nicht all die musikbegeisterten Studenten Mitte 20 vernachlässigen, die sich zunehmend schwer damit tun sich mit der „we live and die in theses towns“ Mentalität 18jähriger Briten mit wachsendem Drogenproblem zu identifizieren... Warum da nicht eine Band, die sich in ihren Texten auf das Uni-Leben bezieht, und deren Bandmitglieder Polo-Hemden tragen und Drogen „womöglich nur aus dem Fernsehen“ kennen... Dass dieses hübsche College-Image am Ende vielleicht genauso abwaschbar ist wie sein Britisches Working-Class Pendant bleibt zweitrangig. Was zählt ist die Erinnerung an zwei hinreißende Konzerte in angenehmer Stimmung. An die pure Spielfreude, die einem von der (leicht überfüllten, mit zwei Schlagzeugen bevölkerten) Bühne der White Rabbits entgegenstrahlte und die sympathische gute Laune, die beide Bands versprühten.
Indie für literaturinteressierte Studenten ab Mitte zwanzig? Gerne doch! Das heißt: so lange ich meine Chucks anbehalten darf...

Anders, ruhiger und klassischer das Konzert von The Miserable Rich gestern Abend. Es war ein relativ spontaner Einfall gewesen die Band im Grünen Jäger zu sehen und eigentlich hatten wir fest mit einem dieser Konzerte gerechnet, bei dem sich mehr Menschen auf der Bühne befinden als vor ihr. Doch wir hatten wohl das Hamburger Publikum unterschätzt, oder besser: wir hatten ihre Treue im Bezug auf den Besuch von Konzertreihe unterschätzt. So befanden wir uns also mittendrin in dem etwas älteren, weniger Indie’esken dafür allerdings nicht weniger enthusiastischen Publikum, das sich wohl jeden Mittwochabend hier einfindet. Was auf uns wartete war eine Stunde wunderschöne Musik. – Ja, so einfach mache ich es mir, wenn ich The Miserable Rich beschreibe. Wunderschön. Perfekter, wandlungsfähiger Gesang getragen von 18 Saiten. Nicht mehr und nicht weniger. Kein Percussions. Kein aufwändiger Elektro-Schnick-Schack. Nur einfach hübsche Melodien, Lieder über die Liebe, im sanft fließenden Gewand der Streicher-Musik. Manchmal bedarf es nicht mehr für einen perfekten Abend.

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