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2009/01/18

Zum Start der neuen Saison

Nun sind wir tatsächlich auch musikalisch im neuen Jahr angekommen; und es schmerzt mich wenn ich daran denke, dass einige echte Highlights des letzten Jahres völlig im vorweihnachtlichen Alltags-Strudel untergegangen sind und gar keinen Eingang in diese kleine Konzertchronik gefunden haben. Somit wage ich zum Start des neuen Jahres noch einen schnellen Blick auf diese "verlorenen Jungen" des vergangenen Jahres zu werfen. In chronologischer Reihenfolge wären da zu erwähnen:
The Cold War Kids im Knust und MGMT im Übel und Gefährlich – zwei Konzerte, die - obwohl musikalische grundverschieden – irgendwie sehr ähnliche Miseren verdeutlichten. Beide Konzerte waren gut gelaunte, wohlklingende Erlebnisse mit tollen Melodien und amüsiertem Publikum. Nur blieb bei mir der Eindruck, dass die gute Laune auf der Bühne und das Amüsement vor ihr wenig miteinander zu tun hatte. Keine Verbindung. Die Cold War Kids performten ihre intelligent-kritischen Klang- und Textwelten mit dem auf sich selbst bezogenen Gestus, der beinahe verächtlich auf die klatschende Menschenmenge hinunterblickt – wie als versuchten sie ihren eigenen Erfolg zu ignorieren.
Das MGMT Konzert legte jedoch noch ein paar extra Steinschichten auf diese imaginäre Mauer zwischen Band und Publikum. Wie als planten sie das Publikum ganz des Hauses zu verweisen oder wenigstens auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen, präsentierten sie den kleinen Teenage-Mädchen in ihren bunten, Neo-Hippie-Kostümen und Stirnbändern zuerst einmal ihre befreundete New Yorker Supportband A Place to Bury Strangers, die mit ihre Stroposkop-Lichtshow und ihrem nicht ganz leicht bekömmlichen Cocktail aus Electrobeats und Gitarrenwänden die auftoupierten Haare der Erste-Reihe-Mädchen flachfönten. MGMT selbst zeigten sich dann in verwaschenen, grau-schwarzen Heavy Metal-T-Shirts und verbeulten Jeans, ohne große Lichtshow und dem aus Video und Promo-Fotos bekannten Space-Indianer-Look - wie als wollten sie sich nach all diesen Musikbusiness-Exzessen auf die handgemachte Musik an sich besinnen. Sympathisch für jemanden wie mich – Weltbilder-zerrüttelnd für kleine Neo-Hippie-Mädchen.
Das Jahresende beschlossen schließlich zwei Konzerte, die sich ebenfalls unter einem gemeinsamen Label zusammenfassen lassen. Die Konzerte waren Ra Ra Riot im Molotow und The Dodos im Headcrash, und das Label ist schlichtweg: großartig. Kleine, aber feine Konzerte mit toller Musik. Die junge, inspirierte, sechs-köpfige Kombo Ra Ra Riot aus Syracuse, New York (wo auch immer das ist) – komplett mit Cello und Geige und einem Wirbelwind aus hüpfenden Beats und charmanten Melodien - und ein paar Tage später dann das energetische Duo aus San Francisco, California – komplett mit Celeste, völlig zerbeulter Mülltonne und einem Gitarren-beschleunigten Drive, der unter die Haut geht. Perfekt.

So, und damit sei auch den letzten Konzerten 2008s genüge getan.
Willkommen in der neuen Saison!