2007/03/01

Another Rock'n'Roll Show


Ein Blick auf die Bühne reichte um zu wissen was der Abend bringen würde: Eine silbernes Glitzer-Drum-Set und zwei Hammond-Orgeln. – The Ultimate Sixties Rock’n’Roll Show!
Und jedes dieser Versprechen wurde auch eingelöst. Schließlich ließ die Rolling Stone über JET verlauten: „They are destined to be planet-sized!“ und fand auch für ihre dänische Support-Band THE BLUE VAN schmeichelnde Worte: „Sixties garage rock so meticulously recreated, you can almost smell the sweat.“
Offen gestanden war ich überrascht von der Größe der Show. Viel zu oft hatte ich in letzter Zeit dem „Ich gehe aufs JET Konzert“ ein erklärendes „ne australische Rock’n’Roll Band“ hinzufügen müssen. Aber schon die lange Schlange vor dem Eingang machte klar – sie sind groß – auf dem besten Weg zu „planet-sized“...
Ich habe THE BLUE VAN vor zwei Jahren auf dem RIP gesehen, eher durch Zufall – aber hey, die Jungs können Show machen. Beautiful! Ich seh noch heute die Whiskey-Flasche, die der Typ an der Hammond während der Show leer trank. Das Rock’n’Roll-Klischee. Gestern Abend machten sie es nicht anders. Die Whiskey-Flasche war zwar von der Bühne verschwunden – you gotta get professional boys – aber sonst war alles da. Man kletterte auf alle zu Verfügung stehenden Boxen, auf die Bass-Drum und die Hammond – die bei der Gelegenheit dann auch gleich mehr oder weniger zerlegt wurde. Es macht Spaß und ich hatte endlich Mal das Gefühl jemand hätte sich bei der Wahl der Vorband etwas überlegt.
...Aber nein! Danach kam die ZWEITE Vorband. Man sollte über solche unerfreulichen Dinge nicht reden. Man sollte nicht mal ein Wort verschwenden über Berliner Nachwuchsbands, die sich mit ihrem mittelmäßigen Rock in eine Show drängen, die eigentlich zwei Nummern zu groß für sie ist. Ich sage nicht, dass THE BLUE VAN sonderlich anspruchsvolle, musikalisch interessante Musik machen. Das machen auch JET nicht. Aber sie machen Rock’n’Roll. See what I mean?
Dann also JET. Laut und dreckig. Mit einem Leadsänger der seinen Namen verdient. Es ist seltsam, dass mir beim Gedanken an ihn das wohl un-rockigste Wort der Welt einfällt: Grace – Würde. Vielleicht kommt es daher, weil man bei ihm nie das Gefühl hatte er tut was er tut weil er sich oder anderen etwas beweisen will. Er stand einfach drüber. Am vordersten Rand der Bühne während die Drums und der Bass das Publikum in Bewegung hielten und ließ seinen Blick ruhig, ernst durch den Raum gleiten. Beautiful! Kein Bedarf an kindischen Animations-Spielchen. Drei Songs später fand man ihn auf dem linken Boxtenturm in zwei Metern Höhe über der Bühne wieder. Die Roadies schwärmten besorgt aus. Die Frage, wie kommt er da wieder runter? Er springt und steht für den nächsten Refrain wieder hinterm Micro. Perfect. Planet-sized.

3 comments:

Ciceros Erbe said...

Du kannst einen schon fertig machen mit Deinen Konzertberichten! Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass der Süden in Sachen coolen Konzerten (und ich meine eben NICHT solche Konzerte, wie das von Shakira diese Woche in der Schleyer-Halle) vor sich hin vegitiert. Okay...Razorlight waren hier in Heidelberg...aber ich wohne nun mal nicht hier, wusste also auch nix davon. :-(
Was bleibt einem übrig? Zu Bands gehen, die noch Niemand hier kennt (03. Mai: The Rakes in der Röhre) oder vielleicht zum 2. Internationalen Bläserforum. Und das meine ich jetzt nicht ironisch!

Anonymous said...

klingt gut! sehr gut!

na ja, radio hamburg (war's radio hamburg? oder delta radio?) "begeistern" sich ja sehr für jet. und außerdem wurde ja einer ihrer songs in einem handy/auto (?) werbespot eingesetzt, daher ist's nicht so richtig verwunderlich, dass die ein paar leute kennen.

von berliner nachwuchsband halte ich auch lieber abstand... hab' auch schon weniger schöne erfahrungen mit selbigen gemacht...
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the rakes kennt niemand? das halte ich für ein gerücht. ;)

Annie Higgen said...

tja, die Stuttgarter können einem schon leid tun. Vielleicht noch ein Grund mehr, dass Hamburg die schönste Stadt der Welt ist! :)

Dass niemand The Rakes kennt halte ich auch fürn Gerücht. Die machen ihrem "The" doch alle Ehre, wenn mich nicht alles täuscht.

Die Röhre scheint wohl no 1 in Sachen Indie in Stuttgart zu sein, oder?