2007/06/01

Eine Nacht mit Boris Yeltsin

Ich weiß, nach meinem letzt jährigen St. Petersburg Urlaub würdest du mir im Zusammenhang mit Russland alles zutrauen – auch eine nächtliche, spiritistische Sitzung zur Beschwörung des Geistes des ersten Präsidenten der Russischen Föderation... Aber keine Angst, so weit ist es dann doch nicht mit mir gekommen. Denn entgegen aller Vermutungen dreht es sich um eine Band aus dem verschlafenen Springfield, Missouri. Präziser: es geht um Someone Still Loves You Boris Yeltsin.
Das sind vier sympathische Guys, die damals in der Highschool eine Band mit einem lächerlichen Namen gegründet haben und heute mit ihrem ersten Album durch die Welt touren. Und zufälliger Weise spielten sie am 30. Mai im Molotow. Und zufälliger Weise gingen wir hin weil der 31. Catherines Geburtstag ist und jeder gute Geburtstag sollte mit einem Konzert beginnen.
Die Band kam im Endeffekt eine Stunde nach uns im Molotow an. Nach unglaublichen siebzehn Stunden Fahrt von Nürnberg nach Hamburg (don’t ask me...) stolperten sie vom Tourbus direkt auf die Bühne und spielten begeisternde zwei Stunden rockigen Pop aus Amerika. Beautiful. Da das aktuelle Album nur auf traurige neunundzwanzig Minuten Spielzeit kommt gab es einige überraschende Extras. Dabei war ein Cover von einem HipHop Klassiker (forgot the name... sorry) genauso wie „I Wanna Hold Your Hand“ von den Beatles; und als die Snare während des Konzerts riss wurde dann noch eine sehr spontane Akustikversion von „Smells like teen spirit“ und einem irischen Trinklied zum Besten gegeben. Very down-to-earth, very sweet.
Dann war es Mitternacht. Catherines Geburtstag. Die Jungs neben uns erklärten stolz sie kennen den Drummer der Band. Der Drummer schmeißt großzügig eine Runde Bier. „Do you know the place where the Beatles played?“ Sure. Große Freiheit. Indra. Erinnerungsfotos von Gedenktafeln. Ein Abstecher zur Herbertstraße. Dann Mutter, denn wie ich gelernt habe, geht jeder, der etwas auf sich hält zur Aftershowparty ins Mutter. Eigentlich klingt Aftershowparty zu glamorous. Glamour kommt aus New York oder L.A. nicht aus Springfield, Missouri. Einfach nur ein netter Abend mit netten Typen in einem Raum mit Blümchentapete. Gegen vier standen wir vor dem Hotel, das eigentlich kein Hotel sondern vielmehr irgendein Wohnhaus mit einem Gästeappartment war. So ist das also.
Ich ging bei Sonnenaufgang durch das erwachende Hamburg zum Bus, müde von einer Nacht mit Boris Yeltsin.

No comments: