Ein Israeli, der einen Palästinenser in seine Band holt?
Ein Israeli, der mit politischem Jazz durch die ganze Welt tourt?
Sein Name ist Gilad Atzmon. Er ist Saxophonist und Flötist. Geboren wurde er 1963 in Israel. Heute lebt er in London. Zurück nach Israel wäre auch keine Option. Sie würden ihn nicht mehr rein lassen. Schließlich ist er Anti-Semit. Soweit man das überhaupt sein kann, wenn man Jude ist... Das politisch korrektere Wort ist wohl Anti-Zionist. Apropos Politik: Er muss es ganz offen zugeben: Der israelischer Außenminister – mit etwas Glück der angehende neue Staatspräsident ist ein Cousin von ihm. Er lacht. So etwas nennt man wohl Ironie des Schicksals.Gilad Atzmons Band heißt The Orient House Ensemble. Dass das ehemalige PLO Hauptquartier in Jerusalem auch Orient House hieß ist kein Zufall. Es ist auch kein Zufall, dass neben zwei Engländern und zwei weiteren Exil-Israelis auch ein Palästinenser in der Band ist. Er singt. Auf Arabisch natürlich.
Was dabei heraus kommt, ist großartiger Jazz, durchzogen von orientalischen Klängen. Eine überraschend kohärente Mischung, mit Geige, Akkordeon, Gesang, Sax, Klavier, Bass und Drums. Die wahre Musik des Nahen Ostens. Bunt. Vielfältig. Amerikanisch. Orientalisch. Politisch. Kontrovers.

No comments:
Post a Comment