„Lust am Freitag in der Stadt tanzen zu sehen?“
Die Frage kam von Christian, die besagte Stadt war Stuttgart und meine Antwort war: „JA!“
Es sollte in den KellerKlub in der Stuttgarter Innenstadt gehen und schenkt man dem Internetauftritt des Ladens Glauben, so handelt es sich hierbei um Stuttgarts erste Adresse für Indie-Mucke. Sozusagen das Molotow des Südens, das Atomic Cafe der Schwaben. Viel versprechend. Noch viel versprechender gar die Tatsache, dass im Rahmen der „Motor FM Sessions – Live“ die unverschämt gut aussehende Londoner Indie-Band Nemo auf der Bühne stehen sollte.
Also schnürte ich meine Converse und freute mich auf einen heißen Indie-Abend. Und zu Beginn sah es verdammt gut aus. Der Barkeeper gab uns ein – zugegebenermaßen undefinierbares – Getränk aus. Aus den Lautsprechern schallte „Wasted Little DJs“ und zwei langhaarige Mädchen in Röhrenjeans tanzten, Bierflasche in der Hand, vor der Bühne. Der Klub war ein bisschen größer als das Molotow, ein bisschen heller, ein bisschen sauberer. Schade nur, dass die hübschen Hallen weitgehend leer blieben. Auch als die Band sich schließlich zwei Stunden nach angekündigtem Konzertbeginn auf die Bühne wagte, bestand das Publikum aus nicht viel mehr als zwanzig, auf diversen Barhockern und Sitzecken verteilten Menschen, die müde zur Bühne herüberblickten. Schade. Denn die Band zeigte zwar keine Brillanz, jedoch eine solide, in die Beine gehende Indie-Performance. Die ein oder andere liebreizende Melodie flog durch die Luft und mein Applaus kam von Herzen.
Nach dem Konzert verließen wir den Klub fürs erste. Ein bisschen Frischluft wäre nicht schlecht. Noch wo anderes rein und später zurück.
„Let’s Dance to Joy Division“?!? – Aber gerne.
Nur schade, dass der Song von einigen weniger indie-esken Titeln gefolgt wurde. Electric Six – „Gamebar“? Oasis – „Wonderwall“? „Pumpkin and Honey Bunny“ vom Pulp Fiction Soundtrack? Sorry, aber ich verstehe was anderes unter Indie... Das will nicht heißen, dass die Titel schlecht sind, aber sind sie tanzbar? Passen sie in einen Club der sich als Indie-Club versteht?
Nun, ich war wohl der einzige, die sich mit solch dogmatischen Überlegungen aufhielt. Um uns herum versuchten ein paar betrunkene Teenager bei jedem Up-Tempo-Song ein Mosh-Pit zu starten, ein Mädchen dass – ihrem Kleidungsstil zufolge – eher in einen Gothic-Club gepasst hätte versuchte mit heißem Hüftschwung Aufmerksamkeit zu erregend und an der Bar klopften ein paar HipHopper dicke Sprüche...
Ein Indie-Club?!?
Vielleicht ist es einfach nur der unerwartete Unterschied der mich überrascht hat. Ich bin weiß Gott kein Fan von sklavischen Genre-Dogma. Doch beschäftige ich mich in letzter Zeit zu sehr mit dem Thema Genre und Stile in der Popmusik um die Wichtigkeit der Differenzierung herunter zu spielen. In jedem (Pop-)Musikgenre schwingt hinter dem puren Sound ein ganzes Regelwerk, ein ganzer Lifestyle mit. Wir kennen alle die Gesetze. Sie sind uns mehr oder weniger bewusst, aber wir kennen sie: Indie-Clubs sind klein und dreckig. Mehr Wohnzimmerflair, weniger Hochglanz. Man trägt Converse und Jeans, bunte T-Shirts, Badges, lange Haare und große Sonnenbrillen. Man trinkt eher Bier als Wein. Man spielt eher Kicker als Billyard... Es gibt sogar diese bestimmte Art zu tanzen...
Der KellerKlub gibt sich alle Mühe, aber ein wirklicher Indie-Club ist er nicht. Vielleicht geht das in Stuttgart auch nicht. Die Szene ist wohl nicht groß genug. – Oder einfach anders als in good old Hamburg. Wie sagt doch so schön: Andere Städte, andere Sitten...
Und trotzdem... die Hamburgerin war ein bisschen enttäuscht von dem was in Stuttgart Indie heißt.
2008/03/20
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