Eigentlich sollte man die Finger von solchen „Long-Distance-Reviews“ lassen. Eigentlich kann dabei nichts Gutes raus kommen. Aus der Ferne neigt man viel zu sehr nur noch das Schlechte zu sehen...
Zu groß die Verlockung, sich der großen Enttäuschung hinzugeben, dass das angekündigte Symphonie-Orchester, mit dem die Last Shadow Puppets auf diesem ihrem einzigen Deutschlandkonzert auf der Bühne standen nur aus gerade mal vier Geigen, zwei Bratschen, zwei Celli, zwei Trompeten, zwei Posaunen und einem Paar Pauken bestand – kein Kontrabass, keine Holzbläser... Und was war mit dem dominanten Hornsolo in The Meeting Place – ein Keyboard-Sound?!? Dazu kam dann noch das unsäglich kreischende, Banner hochhaltende, Kuscheltier werfenden, mitklatschende Publikum, das nur schwer davon zu überreden war das bestuhlte Konzert auch im Sitzen zu genießen.
(An dieser Stelle möchte ich auch noch mal der Forderung meine volle Unterstützung zuzusagen, nach der, der Verkauf von Tickets für solche Konzerte mit einem Eignungstest verbunden werden möge, der verhindern soll, dass Menschen mit nur der geringsten Veranlagung zum Mitklaschen kategorial von den Konzerten ausgeschlossen werden...)
Aber nein... eigentlich ist die Verlockung nur noch das Gute zu erinnern viel größer...
Ist es doch so einfach sich in Schwärmereinen über den großartigen, präzisen Sound und die gute Stimmung auf der Bühne zu verlieren. Zu süß, die Erinnerungen an die stilvoll gekleideten Band und das in sanfte Nebel gehülltem Orchester hinter ihnen, die gemeinsam lässig das gesamte Publikum mit großartig arrangierten, catchy Songs wegfegte und dabei noch charmant auf eine Zeitreise in die 60er mitnahmen. Ewig in meinem Gedächtnis bleibt wohl der letzte Song des Abends – Standing Next To You: Alex und Miles in bestgelaunter Zweisamkeit teilen sich ein Mikrophone... Ich frage mich, warum mich dieser Augenblick so berührte. Vielleicht weil sie mich an Pete und Carl erinnerten. Oder an John und Paul...
Fotos: (c) Cat.

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