In der Nähe von Osnabrück gibt es einen Ort namens Bramsche. Bei Bramsche gibt es ein Dorf namens Achmer. Achmer hat zwei große Straßen und ein Heimathaus. Ein Heimathaus ist ein kleines, hübsches, weißes Fachwerkhaus mit rustikaler Inneneinrichtung, das man als Achmerner für seinen dreißigsten Geburtstag mieten kann. Mein ehemaliger Mitbewohner Sebastian ist seit einem Jahr ein Achmerner und seit zwei Wochen ist er auch dreißig. Also feierte er am vergangenen Samstag seinen dreißigsten Geburtstag im Heimathaus in Achmer, bei Bramsche, in der Nähe von Osnabrück. Und wir fuhren hin. Zu fünft in einem Golf Kombi.
Vielleicht wohnen wir schon zu lange in Hamburg. Wir haben uns schon zu sehr an eine andere Definition von Party gewöhnt: An viel zu kleine, dunkle Räume. An verschlissene Sofagarnituren und geschmacklose Siebzigerjahre Tapeten. An billiges Astra aus der Flasche. An lauten dreckigen Indie-Rock. An langhaarige Menschen in verwaschenen T-Shirts und ausgefranzten Jeans.
Es war ein Schock.
Ein Kultur-Schock möchte man sagen.
Da saßen wir also, auf unseren Biedermeier-Stühlen an einer langen Eichentafel mit der hübschen Blümchendecke, während um uns herum Menschen in Poloshirts und gegelten Haaren zu einem Pur-Medley Diskofox tanzten.
Was nun? Was tun? Wir dachten an Molotowcocktails. Wir dachten an Rennen. Einfach aus dem nächstgelegenen Fenster hechten und davon rennen bis die Stimme von Hartmut Engler in der Ferne verhallt.
Aber wir taten es nicht.
Wir blieben.
Wir saßen da, an unserem Tisch, aßen Salzstangen, tranken Bier und hofften unsere Teelicht-Rauchzeichen würden irgendwo von irgendeinem Menschen weit entfernt, als Hilferuf erkannt. Gegen zwei schlichen wir uns davon. Verschwanden in der ländlichen Dunkelheit irgendwo in Niedersachsen, bei Osnabrück, in der Nähe von Bramsche.

2 comments:
Hey Anne, mach mir keine Angst, ich bin nächstes Wochenende auf zwei 30. Geburtstagen eingeladen!
Na ja, so schlimm wird es nicht werden...bei Uli wird sicher guter Jazz laufen und bei Elmar...na ja, der Fanclub halt...:-)
ja, Bramsche kenn ich. Oder zumindest jemand, der da her kommt. Auf der Party hieß nicht zufällig einer René, oder?
Aber sieh es so, der kleine Ort Bramsche hat Dir ein Stück des Rests der großen weiten Welt gezeigt und wie Menschen auch leben und feiern können. Das war dann sozusagen Bildungsurlaub :-)
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