2007/10/25

Kindergeburtstag

Simpel betrachtet kann man über das letztwöchige Travis-Konzert in der Großen Freiheit 36 nur den Kopf schütteln. Einlass ab 18 Uhr – zu einer Zeit zu der die Reeperbahn keinen großstädtisch-verruchten Neonflair versprüht sondern einfach nur grau und lächerlich ist. Eine Band, die in bonbonbunten Boxerkostümen auf die Bühne kommt. Ein schlecht gekleideter Animateur – pardon, Ansager – der mit dem Publikum rhythmisches Klatschen übt und eine Vorliebe für die Stefan-Raab’sche Phrase „Meine Damen und Herren“ hat. Dazu noch Fans die mitschunkeln und mit Feuerzeugen durch die Luft fuchteln. Also bitte... Sind wir hier auf einem Kindergeburtstag!?!
Doch lässt man diese Absonderlichkeiten außer Acht gibt es nur ein mögliches Fazit für 100 Minuten erstklassigen Brit-Pop: Beautiful! Ein permanentes Lächeln war auf mein Gesicht getackert. Auf meins und auf das von hunderten anderer Konzertbesucher. So charmant und sympathisch gaben sich die vier Jungs aus dem Schottischen Glasgow. Es wurde aus dem Nähkästchen geplaudert als unterhielte man sich im Cafe um die Ecke. „You see, I didn’t shave today. That’s because my son doesn’t recognize me, when I’m shaved. So the plan is: I’m gonna shave in front of him tomorrow so he can figure: It’s one and the same person!“ Man kann Travis’ Sänger Fran seinen Vaterstolz richtig ansehen. Vater sein, ein großes, neues Abenteuer. Er erwähnt seinen Sohn zwei Songs später gleich noch einmal. „He’s got a German passport, you know...“ Jetzt ist wohl der gesamte Saal stolz auf Frans Sohn. Alle grinsen. Hübsche Geschichten, hübsche Songs. Travis präsentiert sich als eine Band auf Augenhöhe. Eine Band, die kein Podest nötig hat. Sie sind die netten Jungs von nebenan, die nicht durch den Backstage-Eingang ins Rampenlicht treten, sondern lieber quer durch den mit Fans gefüllten Saal stolzieren. Sie sind die Familienväter, die immer eine kleine Anekdote über den Nachwuchs parat haben. Sie sind die enthusiastischen Musikliebhaber, die sich auch mal Zeit nehmen das gesamte Konzert ihrer Vorband zu hören. Sie sind die Entertainer der alten Schule, die in einem Konzert ein Gitarren-Solo-Mengenbad und ein paar lustige Mitmachspielchen verbinden. Warum auch nicht... Nur die Sache mit dem Rocky-Intro sollten sie überdenken. Und BITTE keine Ansager. BITTE!





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PS: Die Bilder sind natürlich NICHT von mir. Sondern von ein paar WIRKLICHEN Travis-Fans.

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