2007/10/26

Die Umgangssprachen-Obsession

Raum 731 im siebenten Stock des Philosophen-Turm der Universität Hamburg. Es ist Donnerstagnachmittag und 25 vornehmlich weibliche Studenten sitzen in einer Übung für Anglistik und Amerikanistik. Die Dozentin – selbst Engländerin – macht die obligatorische Runde um Namen, Studienrichtung und Kursanmeldung zu erfragen. Nichts Außergewöhnliches. Und dann das:
„My name is Heidrun*, I’m aiming for Staatsexamen, Lehramt Oberstufe. And I’m more of an American Studies-person.“
(*Name von der Redaktion geändert)

I’m more of an American Studies-person????!
Was um Gottes Willen war das?

An dieser Stelle soll für die weniger Englisch-fanatischen Menschen unter meinen Lesern bemerkt werden, dass dieser Satz zwar durchaus Englisch ist, jedoch in eine der unteren Schubladen der typisch Amerikanischen Umgangsprache gehört. Übersetzt heißt es so etwas wie: „Ich bin eher so der Amerikanistik-Typ.“
Da stellt sich für mich die Frage: Ist es angebracht mit einem Uni-Dozenten zu reden, wie mit seinem Kumpel auf der Straße? Viel wichtiger: Ist es angebracht eine Engländer mit solch ‚brutal americanism’ zu bewerfen?
Ich weiß, in der Anglistik und vor allem in der Amerikanistik ist für viele Studierende die lässige Umgangssprache das höchste Gut. Wie man sich etwas kompliziert und veraltet ausdrückt hat man in der Schule gelernt. Aber wie man „wirklich“ im echten Leben Englisch spricht, dass ist die heimliche Herausforderung. Englisch so sprechen, dass keiner merkt, dass man Deutscher ist. Nach einem Jahr in den USA ist das im Allgemeinen kein Problem. Man hat den typisch lässigen Amerikanischen Akzent in sich aufgesogen und ein paar der coolsten Sprüche auswendig gelernt. As easy as that. Dass das aber nichts mit der Uni zu tun hat begreifen viele allerdings nicht.

Ich weiß, ich bin was solche Dinge anbelangt ein Snob.
Ich finde man sollte sich steht Gedanken über seine eigenen Worte machen. Sie sind unsere Werkzeuge. Und man sollte seine Werkzeuge im Griff haben – vor allem wenn man an der Uni Literaturwissenschaft studiert. Jedes Wort, egal wie klein und scheinbar unbedeutend hat eine große Macht. Man kennt es aus dem täglichen Leben.

Oder von dem einfachen, altbekannten Beispiel aus Nick Hornby’s High Fidelity:

Rob: What did Laura mean last night when she said, "I haven't slept with him yet." Yet! What does "yet" mean anyway? It means you're gonna do it, doesn't it? Or does it?
[Next scene]
Rob:[To Barry]Just come on. What would it mean to you, that sentence: I haven't seen Evil Dead II yet?
Barry: Well, to me it would mean that you're a liar. You've seen it twice. Once with Laura -oops- and once with me and Dick, remember? We had that conversation about the guy making Beretta shotgun ammo off-screen in the 14th century.
Rob: Right, all right. But let's just say that I hadn't seen it and I said to you, "I haven't seen Evil Dead II yet", what would you think?
Barry: I'd think that you're a cinematic idiot and I'd feel sorry for you.
Rob: All right. But from that one sentence, would you think that I was going to see it?
Barry: I'm sorry, Rob. I'm struggling here. You're asking me what would I think if you told me you hadn't seen a film that you have already seen. What am I supposed to say?
Rob: Just listen to me. If I said to you-
Barry: "I haven't seen Evil Dead II yet", yes.
Rob: Would you get the impression that I really wanted to see it?
Barry: Oh, uh, well you couldn't have been desperate to see it, otherwise you'd have already gone.
Rob: Right, I'm not gonna see that movie.
Barry:[pause] But the word "yet". Yeah, you know what? I'd get the impression that you wanted to see it otherwise you'd have said you didn't wanna go.
Rob: But in your opinion, would I definitely go?
Barry: How the fuck am I supposed to know?! Probably!
Rob: Why?
Barry: Because it's a brilliant film. It's so funny, and violent, and the soundtrack kicks fucking ass. I never thought I'd say this, but can I go work now?
(from Wikiquote)

Worte haben mehr Macht als man denkt. Thing about it!

1 comment:

Ciceros Erbe said...

Da ist schon was dran. Stelle mir die Entsprechung in Germanistik vor:

"Hey, ich geh Mensa!"

By the way: Eine der grandiosen Stellen von High Fidelity!